Das Neueste von Gestern

Geschichten aus Berlin und der Welt von Gestern

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Apple killed the sony star. Der Walkman war gestern.

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Wie sich die Zeiten ändern! Gut 30 Jahre nach der Einführung des ersten Kassetten-Walkman TPS-L2 am 1. Juli 1979,  stellt Sony die Produktion seines damals revolutionären Produkts ein. Selbst der Nachfolger des Walkmans, der Discman ist schon längst von MP3-man bzw. von Apples ipod abgelöst worden und so verwundert es auch nicht weiter, dass man die Meldung zum Ende des Walkmans auch als mp3 herunterladen kann. So kommt man auch in das (zweifelhafte) Vergnügen zu erfahren, was ein automatisches Vorlesesystem mit einem „walkman“ anfangen kann.

Written by yesterdaywasfuture

Oktober 24, 2010 at 12:42 pm

Veröffentlicht in Alltag, Technik

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Kuchen-Kaiser und der PR-Journalismus

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Die Berichterstattung über das neueste Produkt des Hauses Apple, den iPad, ist ein gutes Beispiel dafür wie heutzutage Werbung und „Journalismus“ immer mehr verschwimmen.  Zunehmend finden PR-Texte und -Fotos ungefiltert den Weg in den „journalistischen“ Teil der Medien. Der freiberufliche Autor Hans Wille spricht in einem ca. 2 Jahre alten Beitrag zum PR-Journalismus (PR-Journalismus – der dritte Weg?) davon, dass heute rund 70 Prozent unserer Nachrichteninhalte von PR-Stellen initiiert werden. Doch der PR-Journalismus ist natürlich keine Erfindung unserer Zeit – deswegen ist er ja auch Thema dieses Blogs. Auf den Tag genau vor 79 Jahre machte die Neuköllnische Zeitung unkritisch einen anderen Hype mit – den Hype um den „Kuchen-Kaiser“:

„Kuchen-Kaiser“

am Oranienplatz in Berlin hat nach vollendeten Umbau heute seine sämtlichen Räume wieder in Betrieb genommen. Der gegenwärtige Besitzer Eugen Fluß übernahm die seit 1. April 1866 bestehende Firma am 1. Juli 1891 und führte an dieser

Stätte Altberliner Gemütlichkeit,

die seiner Zeit auch oft vom ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert besucht wurde, das damals in Berlin noch unbekannte Wiener Teegebäck und die so beliebt gewordene Eisbombe ein. Während es durch die Umgestaltung des Oranienplatzes verursachten Umbaues wurde der Betrieb, wenn auch in eingeschränktem Maße doch aufrecht erhalten. Mit imposanter Front reiht sich das Haus der Firma „Kuchen-Kaiser“ würdig in den Rahmen des Oranienplatzes ein. Für den Verkauf sind

helle, freundlich gehaltene Räume

geschaffen worden. Ein 25 Meter langer Ladentisch legt Zeugnis ab von der Riesenauswahl hochwertiger Konditoreifabrikate. In einer Spezial-Abteilung für den Verkauf von Konfekt findet man die Fabrikate allererster Firmen in Originalverpackungen und zu Originalpreisen. Alles, was die „süße Kunst“ hervorbringt, kann in diesen großen Räumen erstanden werden; man wird jedem Geschmack gerecht. Unter den Verkaufs- und Gasträumen beider Grundstücke befinden sich die gesamten Back- und Fabrikations-Anlagen. Durch reichliche Verwendung von Oberlicht sind praktische, helle und zweckmäßige Arbeitsräume geschaffen worden, unter Beobachtung der modernen Hygiene. Die Gasträume halten die alte Tradition der Gemütlichkeit aufrecht: Die Wände sind mit handgewebten Stoffen bespannt. Als innenarchitektonische Neuheit ist zum ersten Male eine geschickte Kombination von ganz modernen Gaderobenhaken und in zwei Richtungen beweglichen Wandarmen mit daran befindlichen Beleuchtungskörpern für die einzelnen Tische verwandt worden. Ein holzgetäfelte Raum, der im Bedarfsfalle durch eine neuartige „Teleskoptür“ aus Birkenholz vollständig von den anderen Gasträumen getrennt werden kann, eignet sich besonders als

Konferenz- und Sitzungszimmer

für kleinere Gesellschaften und Vereine. Im ersten Stockwerk des Hintergebäudes liegen die Büroräume: Die Telephonzentrale sowie die Bestellungsannahme mit eigenem Haus-Automaten modernsten Systems. Direkt von der Bestellungsannahme gelangen die eingehenden Bestellungen mittels elektrisch betriebener Bandpost in die im Erdgeschoß gelegene Expedition. Ein elektrisch betriebener Fahrstuhl bringt die fertigen Waren nach der Expedition und Versand. „Kuchen-Kaiser“ im neuen Gewande wird der alten Tradition getreu, stets eine Kulturstätte des guten Geschmacks und ein Treffpunkt des alten Berlins bleiben.

Aus der Neuköllnischen Zeitung vom 31.1.1931.

Über die Geschichte des Kuchen-Kaisers kann man auch auf dessen Blog einiges erfahren, wo es auch einen Link zu einer Diashow mit Fotos vom historischen Oranienplatz gibt. Unter dem Platz schlummert übrigens immer noch eine 1927 errichtete U-Bahnstation, wie dieser wikipedia-Eintrag zu berichten weiß.

Oranienplatz um die Jahrhundertwende

Oranienplatz, 1925

Written by yesterdaywasfuture

Januar 31, 2010 at 7:23 pm

Neuköllner erfindet Übersetzungsmaschine

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Am 22.1 beschäftigte sich Barbara Kerneck in der Taz mit maschinellen Übersetzungshilfen und ging dabei auch der Frage nach, ob Maschinen jemals menschliche Profi-Übersetzer ersetzen können. Letztendlich sieht es danach jedoch nicht aus – „Eine Maschine versteht keine Ironie.“ Ein Glück für alle Dolmetscher und Übersetzer. Andererseits aber auch schade, denn die „Übersetzungsmaschine“, der Babelfisch bzw. der „Sprachübertragungs-Apparat“ ist wohl ein uralter, seit dem Turmfall von Babel, gesponnener Menschheitstraum. Und seine Vollendung scheint einem, bei all dem technischen Fortschritt, doch manchmal auch zum Greifen nahe. Und so testete bereits 1932 die Neuköllnische Zeitung  den Zukunftsglauben seiner Leser mit einem Artikel über eine neue, sensationelle Erfindung, die sie allerdings am nächsten Tag als Aprilscherz outete.

Aus der Neuköllnischen Zeitung vom 31.3.1932:

Der Sprachübertragungs-Apparat erfunden!

Nach jahrelangen Versuchen hat ein bekannter Neuköllner Erfinder in aller Stille einen Sprachtransformierungsapparat fertiggestellt, von dem wir heute unsern Lesern das erste Bild geben können: Ein Freund des Erfinders (…) spricht in das vor ihm stehende Mikrophon. Die im Hintergrund sichtbare Apparatur wandelt nun durch einige Kathodenröhren die Sprachwellen um. Wollte man sich in diesem Stadium der Sprachumbildung einschalten, so würde man eine völlig unbekannte Sprache vernehmen, da diese Transformierung für sämtliche Sprachen der Erde gemeinsam ist. Erst die auf dem Tisch stehenden kleinen Sprachübersetzer sieben aus dem Wellengemisch die richtigen Laute aus und geben den in das Mikrophon gesprochenen deutschen Text in einer ausländischen Sprache wieder. Der Erfinder hat bisher, wie man auch aus unserm Bilde sieht, Sprachübersetzer für (von links) englisch, französisch und spanisch konstruiert, die hier zum ersten Male ausprobiert werden. In Arbeit sind die lateinische und griechische Sprache, womit dann das gefürchtete Extemporale seine Schrecken verlieren würde: denn auch ein diesbezüglicher Tachenapparat, in den der Schüler nur hineinzuflüstern braucht, soll in Vorbereitung sein.

(Leider habe ich keine Kopie des zum Artikel dazugehörenden Bildes, also wenn ihr mal in einem Archiv mit der Neuköllnischen Zeitung seid, schaut euch das mal an!)

Written by yesterdaywasfuture

Januar 24, 2010 at 8:32 pm

Stratosphärenanzug, Anno 1930

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Stratosphärenanzug, Anno 1930

Der rechte Herr, Auguste Piccard, hat übrigens nicht nur mehrere Ballon-Höhenrekorde und einen Tiefseerekord aufgestellt, sondern stand auch Pate für Professor Tournesol (Bienlein) aus den Tim und Struppi Comics und war zusammen mit seinem Zwillingsbruder Jean-Felix Piccard Namensgeber für Captain Jean-Luc Picard. Auch sein Sohn Jacques Piccard und sein Enkel Bertrand Piccard waren und sind schillernde Persönlichkeiten mit ähnlichem Entdeckerdrang und Weltrekordjagdfieber.

Ein Nachfolgermodell bzw. einen echten Stratosphärenanzug aus dem Jahre 1938 kann man hier bestaunen.

Written by yesterdaywasfuture

Januar 19, 2010 at 11:12 pm

Nicht erst in Kopenhagen: Kohlenbarone und Ölmagnaten verhindern Klimarettung

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Wer sich von Euch über das Desaster von Kopenhagen aufregen kann, wird jetzt sicherlich vor Wut explodieren: Die Klimakatastrophe hätte schon 1931 verhindert werden können!

In jenem Jahr gab es bereits die Möglichkeit den Grundstein für eine solare Zukunft zu legen, doch es kam ganz anders, wie wir heute wissen und wie es Die Rote Fahne bereits damals wußte, wobei sie „mit klarer Eindeutigkeit“ aufzeigt, „daß das kapitalistische System heute, morgen und mit jedem Tage mehr auf der ganzen Linie ein ständig größerer Hemmschuh des technischen Fortschrittes“ bzw. der solaren Zukunft wird.

Hier die ganze erschütternde Geschichte:

Als die Rote Fahne am 7. Februar 1931 „Die Sonne als Riesenkraftwerk“ titelt, ist sie nicht die erste Zeitung, die über eine neue Entdeckung berichtet. „Die gesamte Weltpresse beschäftigt sich (…) in Sensationasaufmachung mit der Erfindung des jungen deutschen Gelehrten Dr. Bruno Lange vom Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin-Dahlem, dem es nach dreijährigen Versuchen gelang, das Sonnenlicht direkt in elektrische Energien umzuwandeln. Kohle, Öl und Wasserkraft würde, wenn diese Erfindung tatsächlich praktische Ausführung erhielt, als Stromerzeuger später überflüssig (…) Das Fundament des Sonnenkraftwerks der Zukunft wäre damit – theoretisch wenigstens – gelegt. Doch da selbst der Erfinder im Augenblick noch nicht daran denkt, die weiteren Versuche über den Rahmen von Messungsarbeiten hinaus vorzunehmen, müssen wir die marktschreierische Zukunftsmusik eines Teiles der bürgerlichen Presse, die ihren Lesern bereits das Sonnenkraftwerk in allernächster Zeit prophezeit, als Sensationshascherei bezeichnen.“

Warum aber wird nicht über eine praktische Nutzbarmachung im Sinne der Energieerzeugung nachgedacht?  Vordergründig liegt es daran, dass durch die Sonnenbestrahlung der Photozelle, die das Kernstück der Erfindung ausmacht, nur geringe „Elektrizitätsenergien“ erzielt werden.

Tatsächlich aber verhindert der „streng kapitalistische Profitstandpunkt“ der „Fachleute“ die Entwicklung des „Sonnenkraftwerk-Projekts“. Die „Fachleute der großkapitalistischen Riesenkonzerne“ beantworten die Frage nach der Möglichkeit einer kapitalistischen Ausbeutung der Erfindung mit einem „vorläufig nicht“. Denn „die Errichtung einer größeren Anlage, welche zur Erzeugung von 1 Kilowatt eine Kupferoxydulplatte von mehreren tausend Quadratmetern zur Voraussetzung hat, ist eine Kapitalsfrage, deren Lösung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist.“ Lächerlicher Einwand! Der wahre Grund ist natürlich, dass das „baldige mühelose Einheimsen von Riesenprofiten“ nicht so einfach ist. Und es gibt ein weiteres Problem: „Die Kapitalgruppen, die tatsächlich die ungeheuren Finanzmittel zur Durchführung des Riesenprojektes aufgebracht hätten, [müssten sich] gegen den erbitterten Widerstand der Kohlenbarone, Ölmagnaten usw. durchsetzen.“ Wie wahr gesprochen und dabei kann die Rote Fahne doch noch gar nichts von moderner Lobbyarbeit, von Ölfirmen gesponserten Klimazweiflern etc. wissen, oder? Die Rote Fahne hat ihre eigenen Belegstücke. Da gibt es einmal „die heimtückische Arbeit des schwedischen Weltzündholztrust des Herrn Ivar Kreuger“ , der vor keinem Mittel zurückschreckt, „die Erfindung des sogenannten Ewigen Zündholzes zu sabotieren.“ Außerdem gibt es da noch „eine große deutsche Glühlampenfabrik“, die es sich „ungestraft erlauben darf Glühbirnen mit bewußt erstrebter kürzerer Brenndauer in den Handel zu bringen“.

Soweit also die Rote Fahne, und so sehr ähneln sich die heutigen Probleme bei der Umstellung auf eine ökologischere Wirtschaftsweise. Doch es gibt einen Unterschied zur damaligen Zeit. Die Rote Fahne durfte noch hoffen. Sie konnte noch glauben, „daß das Sonnenkraftwerk ein Projekt ist, daß (…) die vergesellschaftlichte Industrie eines Sowjetdeutschlands ernsthaft zum Wohle der arbeitenden Menschheit in Angriff nehmen kann.“ Das wissen wir heute leider besser.

Den ganzen Artikel könnt ihr übrigens hier nachlesen.

Written by yesterdaywasfuture

Dezember 19, 2009 at 11:49 pm