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Neuköllner erfindet Übersetzungsmaschine

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Am 22.1 beschäftigte sich Barbara Kerneck in der Taz mit maschinellen Übersetzungshilfen und ging dabei auch der Frage nach, ob Maschinen jemals menschliche Profi-Übersetzer ersetzen können. Letztendlich sieht es danach jedoch nicht aus – „Eine Maschine versteht keine Ironie.“ Ein Glück für alle Dolmetscher und Übersetzer. Andererseits aber auch schade, denn die „Übersetzungsmaschine“, der Babelfisch bzw. der „Sprachübertragungs-Apparat“ ist wohl ein uralter, seit dem Turmfall von Babel, gesponnener Menschheitstraum. Und seine Vollendung scheint einem, bei all dem technischen Fortschritt, doch manchmal auch zum Greifen nahe. Und so testete bereits 1932 die Neuköllnische Zeitung  den Zukunftsglauben seiner Leser mit einem Artikel über eine neue, sensationelle Erfindung, die sie allerdings am nächsten Tag als Aprilscherz outete.

Aus der Neuköllnischen Zeitung vom 31.3.1932:

Der Sprachübertragungs-Apparat erfunden!

Nach jahrelangen Versuchen hat ein bekannter Neuköllner Erfinder in aller Stille einen Sprachtransformierungsapparat fertiggestellt, von dem wir heute unsern Lesern das erste Bild geben können: Ein Freund des Erfinders (…) spricht in das vor ihm stehende Mikrophon. Die im Hintergrund sichtbare Apparatur wandelt nun durch einige Kathodenröhren die Sprachwellen um. Wollte man sich in diesem Stadium der Sprachumbildung einschalten, so würde man eine völlig unbekannte Sprache vernehmen, da diese Transformierung für sämtliche Sprachen der Erde gemeinsam ist. Erst die auf dem Tisch stehenden kleinen Sprachübersetzer sieben aus dem Wellengemisch die richtigen Laute aus und geben den in das Mikrophon gesprochenen deutschen Text in einer ausländischen Sprache wieder. Der Erfinder hat bisher, wie man auch aus unserm Bilde sieht, Sprachübersetzer für (von links) englisch, französisch und spanisch konstruiert, die hier zum ersten Male ausprobiert werden. In Arbeit sind die lateinische und griechische Sprache, womit dann das gefürchtete Extemporale seine Schrecken verlieren würde: denn auch ein diesbezüglicher Tachenapparat, in den der Schüler nur hineinzuflüstern braucht, soll in Vorbereitung sein.

(Leider habe ich keine Kopie des zum Artikel dazugehörenden Bildes, also wenn ihr mal in einem Archiv mit der Neuköllnischen Zeitung seid, schaut euch das mal an!)

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Written by yesterdaywasfuture

Januar 24, 2010 at 8:32 pm