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Geschichten aus Berlin und der Welt von Gestern

Archive for the ‘Nazis’ Category

Ich war`s nicht, Adolf Hitler ist es gewesen!

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Anlässlich des 70. Jahrestages der Wannsee-Konferenz eine Karikatur, die ein Jahr nach dem Ende der NS-Herrschaft entstanden ist. Zu einem Zeitpunkt also, an dem bereits niemand mehr mitgemacht haben wollte und man sowieso nichts mehr wusste…
Die Abbildung ist dem Büchlein „Heiterkeit der Aufbauzeit“ entnommen, 1946 im Aufbau-Verlag erschienen. Alle darin enthaltenen Karikaturen stammen von Erwin Kutz. Dieser, laut dem Spiegel, der „Hennecke unter den Nachkriegszeichnern“, arbeitete zunächst für verschiedene Ostblätter, bis er sich mit dem Chefredakteur der Satirezeitung „Frischer Wind“ (dem Vorgänger des Eulenspiegels) überwarf und zur Westberliner „Tarantel“ wechselte.

Written by yesterdaywasfuture

Januar 20, 2012 at 9:22 pm

Sturmvogel – Nazis und Namen

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Nazis,

heute habe ich einen Artikel der TAZ über eure Gruppe „Sturmvogel – deutscher Jugendbund“ gelesen. Der Zweck dieser Gruppe ist u.a euren armen Kindern eure abscheuliche Weltsicht zu indoktrinieren. So weit, so schlecht.

Was mich jetzt aber interessiert – auf welche historischen Sturmvögel beruft ihr euch jetzt eigentlich?

Ist es der 1929 gegründete (sozialdemokratische) Flugverband der Werktätigen e.V. „Sturmvogel“, der gegen Ende der Weimarer Republik auch den einfachen Arbeitern das Erlebnis Fliegen nahe bringen wollte und darüber hinaus das Flugzeug im Dienst des friedlichen Luftverkehrs als ein Instrument der Völkerverständigung ansah? (Obwohl der „Sturmvogel“ zehntausende Mitglieder hatte und in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik große Beachtung fand, so bin ich etwa bei meinen Zeitungsrecherchen auf Dutzende Artikel zum „Sturmvogel“ gestoßen, gibt es zu ihm bisher keinen wikipedia-Eintrag und das Internet weiß allgemein wenig über ihn auszusagen.)

Oder ist es der Wanderverein Sturmvogel, der aus über 100 ehemaligen RFB-Kämpfern bestand und als Schutztruppe der Linken Opposition der KPD (LO) in Oranienburg fungierte und über den Peter Berens (1) schreibt:

„Schon 1929, vor ihrem Ausschluß aus der KPD, hatten Aktivisten des Sturmvogel SA-Mitglieder verprügelt. (…) Als am 30. Januar 1930 die SA in Oranienburg einen Fackelzug zur Ernennung Hitlers als Reichskanzler veranstaltete, zog ihr die Organisation Sturmvogel entgegen. Es kam zu einer schweren Straßenschlacht, bei der acht SA-Leute krankenhausreif geschlagen wurden. Die Nationalsozialisten mussten ihre Feier unter starkem Polizeiaufgebot im Saal abhalten.“

Oder beruft ihr euch auf die Wilden Cliquen Berlins? Von denen gaben sich in den Zwanzigern und Dreißigern mehrmals welche den Namen „Sturmvogel“. Hat euch vielleicht diese überlieferte Aussage eines Sturmvogel-Mitglieds zur Namensgebung angeregt?

„Clique Sturmvogel is janz berühmt, det ist meine Clique. Wir hatten eine Klopperei mit so`n christlichen Verein! Denen haben wir aber scheen ihre dämlichen Wimpel kaputt jemacht ! Die ham wa aber schnaffte mit`n Klammerbeutel jepudert! Der janze Rummelplatz bei uns is auf Seiten der Cliquen, die helfen uns alle, wenn`t Schütte jibt mit`n Jannis und Nazis!“ (2)

Aber wahrscheinlich wisst ihr gar nicht, was Wilde Cliquen sind oder waren. Damit ihr aber eine Idee davon bekommt, wem ihr da den Namen gestohlen habt, hier mal ein beliebtes Cliquenlied:

Grün-Weiß-Grün sind unsere Farben,

Grün-Weiß-Grün ist unser Stolz

Wenn wir Latscher (3) sehen,

dann jibt es Keile;

wenn wir Nazis sehen,

dann jibt`s Kleinholz.

In diesem Sinne.

(1) Peter Berens, Trotzkisten gegen Hitler, Köln 2007, S.59.

(2) Zitat aus: Gertrud Staewen-Ordemann, Menschen der Unordnung. Die proletarische Wirklichkeit im Arbeitsschicksal der ungelernten Großstadtjugend, Berlin 1933, S.129.

(3) Als Latscher wurden von den Wilden Cliquen u.a. die Mitglieder der Bündischen Jugend bezeichnet, auf die sich der Sturmvogel – deutscher Jugendbund ja offiziell beruft.

Written by yesterdaywasfuture

Januar 7, 2010 at 10:11 pm